Transnationalität und Integration

Transnationale Aktivitäten oder ein transnationaler Lebensstil schliessen eine lokale Integration nicht aus. Einerseits kann aufgrund eines transnationalen Lebensstils nicht auf eine fehlende lokale Integration geschlossen werden. Andererseits verweist eine fehlende lokale Integration nicht auf einen transnationalen Lebensstil.

Bei einem national orientierten Integrationsbegriff kann Transnationalität jedoch als problematisch angesehen werden. Aus einer nationalen Perspektive ist die Identifikation mit mehreren Nationalstaaten unerwünscht. Identitäten sollen national und nicht transnational ausgerichtet sein. Integration wird üblicherweise anhand der Eingliederung in den nationalen Arbeitsmarkt und in soziale Felder und Netzwerke, welche sich auf den nationalen Raum beschränken, gemessen. Transnationale Netzwerke oder Praktiken werden dabei häufig als Form von «Desintegration» angesehen.

Wie jedoch im vorangehenden Abschnitt «Transnationalität betrifft (nicht) alle» erläutert wird, ist ein transnationaler Lebensstil stark ressourcenabhängig. Es sind daher meist gesellschaftlich integrierte Personen, welche über das nötige soziale und finanzielle Kapital verfügen, um vermehrt transnational aktiv zu sein.

Thema: Integration

Neue Ansätze in der Migrationsforschung – Die transnationale Perspektive
Janine Dahinden

 


Transnationalität betrifft (nicht) alle

Obwohl transnationale Phänomene vermehrt in Zusammenhang mit Migration entstehen, führen nicht alle Migrantinnen und Migranten einen transnationalen Lebensstil. Gleichzeitig können auch Personen ohne Migrationshintergrund transnational aktiv sein.

Ein grosser Teil der Migrationsbevölkerung ist nur sporadisch transnational aktiv. Wenige engagieren sich dauerhaft politisch oder ökonomisch in einem transnationalen Raum. Dies hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass der Spielraum für transnationale Praktiken stark ressourcenabhängig ist. Massgebend sind dabei Mobilität und Geld. Mobilität wird einerseits durch ein gut funktionierendes familiäres und soziales Netzwerk erreicht, ist jedoch auch von der Aufenthaltsbewilligung abhängig. Ein geringes Einkommen und ein Aufenthaltsstatus, welcher die Mobilität einschränkt, schmälern die Möglichkeiten transnationaler Aktivitäten. Erst mit der Einbürgerung wird eine hohe Mobilität erreicht. Dauerhaft transnational aktive Personen verfügen daher vermehrt über die notwendige rechtliche Absicherung etwa in Form einer doppelten Staatsbürgerschaft und über tendenziell höhere Einkommen. Andere Personen sind zwar gelegentlich transnational aktiv, aber ihr überstaatliches Engagement prägt nicht ihren Alltag.

Zudem wird beobachtet, dass die Nachkommen der Migrantinnen und Migranten, die sogenannte zweite Generation, die transnationalen Netzwerke nicht zwingend aufrechterhält. Teilweise kreieren sie jedoch neue transnationale Räume.

L'exemple somalien – Mobilité, citoyenneté et transnationalisme
Joëlle Moret

Jenseits des Selbstbestimmungsprinzips – Staatsbürgerschaft und Migration
Rainer Bauböck

nach oben Letzte Änderung 23.04.2015