Integration und (neue) Religionsgemeinschaften

Es ist unbestritten, dass die Möglichkeit der Ausübung der eigenen Religion wesentlich dazu beitragen kann, als Mitglied einer Glaubensgemeinschaft das Gefühl von Heimat erfahren zu können. Die Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft kann gerade für Zuwandernde die Integration in einem neuen Umfeld fördern. In diesem Zusammenhang kommt den Kirchen und Religionsgemeinschaften eine wichtige Rolle bei der Integration zu. Sie bieten Orte der persönlichen Identifikation und der gesellschaftlichen Zugehörigkeit.

Die EKM setzt sich seit vielen Jahren für ein friedliches Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher religiöser Bekenntnisse ein und befürwortet sowohl den Dialog zwischen den Religionsgemeinschaften wie auch jenen zwischen religiös orientierten Menschen und solchen, die ein laizistisches Grundverständnis haben. Die EKM beobachtet indes mit Besorgnis, dass in öffentlichen Debatten häufig verkürzte Darstellungen über Religionszugehörigkeit und angeblich damit verbundene spezifische Verhaltensweisen erfolgen. Tatsache ist, dass alle grossen Religionsgemeinschaften sehr heterogene Profile aufweisen, und die Zugehörigkeit zu einer Religion noch keine Auskunft über die konkreten Überzeugungen einer Person geben kann. Dies gilt gerade auch für Angehörige muslimischen Glaubens, die gegenwärtig einer erhöhten Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit ausgesetzt sind.

Vom interreligiösen Dialog zum Dialog zwischen Religion und Gesellschaft

Der interreligiöse Dialog nimmt viele Formen an und findet in verschiedensten Zusammenhängen statt: Gespräche zwischen Vertreterinnen und Vertretern der Religionsgemeinschaften, Konferenzen von Theologen, Tage der offenen Tür in den Kirchen, Moscheen, Tempeln und Synagogen, gemeinsame soziale Projekte oder Zusammenarbeit in ökumenischen Arbeitskreisen. Ziel des interreligiösen Dialogs ist die religiöse Toleranz und die Förderung des respektvollen, friedlichen und verständnisvollen Zusammenlebens von Menschen unterschiedlicher Religionen und Weltanschauungen. Genauso wichtig sind jedoch auch der Dialog der religiösen Gemeinschaften mit ihrem laizistischen Umfeld und der unaufgeregte Umgang mit gesellschaftlichen Regeln und Gesetzen. Auch sie können dazu beitragen, dass Diskussionen etwa um die Errichtung von Kultusbauten, die Einrichtung von konfessionellen Grabfeldern, die Respektierung von Feiertagen, den Religionsunterricht an den Schulen, das Tragen des Kopftuchs oder das Schächten von Tieren auf einer sachlichen Basis erfolgen kann.

In der Schweiz gibt es viele Persönlichkeiten und Organisationen, die für einen Dialog zwischen den religiösen Gemeinschaften eintreten. Auch zahlreiche regionale Arbeitsgruppen und Initiativen sowie wissenschaftliche Institute beteiligen sich an diesem Dialog. Zur Vernetzung dieser verschiedenen Akteure spielt die Interreligiöse Arbeitsgemeinschaft in der Schweiz IRAS COTIS eine federführende Rolle. Die Broschüre «Initiativen und Organisation des interreligiösen Dialogs in der Schweiz» gibt einen Überblick der wichtigsten Akteure in diesem Bereich.

nach oben Letzte Änderung 18.05.2016