Religion

Die Schweiz ist eine pluralistische Gesellschaft – dies gilt nicht nur in Bezug auf die vier Sprachregionen und die Vielzahl sonst gesprochener Sprachen, die unterschiedlichen nationalen Hintergründe von Migrantinnen und Migranten und die verschiedenen sozialen Milieus in der gesamten Gesellschaft. Auf helvetischem Boden findet sich auch ein grosses Spektrum von Religionszugehörigkeiten, Glaubensformen und Weltanschauungen, inklusive säkularen Haltungen.

Stellenwert des Religiösen in der Migrationsgesellschaft

Welchen Stellenwert nimmt Religion in der Migrationsgesellschaft ein? Wie verändern sich Glaubensinhalte und religiöse Praktiken in diesem Kontext? Wie ist angesichts der fortschreitenden Säkularisierung das grosse öffentliche Interesse an religiösen Themen zu erklären? «terra cognita» 28 beleuchtet die religiöse Vielfalt in der Schweiz, geht den Diskursen in Religions- und Wertefragen nach, fragt nach der Bedeutung des interreligiösen Dialogs und widmet sich den Fragen rund um Religionsfreiheit, die Rolle des Staates, um individuelle Glaubenspraxis und die Bedeutung von Religion als Differenzierungsmerkmal. Im Fokus stehen Angehörige von Glaubensgemeinschaften und Konfessionslose, Gläubige und Nicht-Gläubige.

Zahlen zur Religionslandschaft Schweiz

Die Veränderung der Religionslandschaft Schweiz ist vor allem auf zwei Faktoren zurückzuführen. Zum einen ist ein starker Anstieg bei jenen Personen zu verzeichnen, die angeben, keiner Konfession anzugehören. Die letzte Erhebung des Bundesamts für Statistik von 2014 wies aus, dass 23 Prozent der Bevölkerung, das heisst nahezu jede vierte Person, sich zu keiner Religionsgemeinschaft zählt. Bei Schweizerinnen und Schweizern sind es 21,4 Prozent, bei ausländischen Staatsangehörigen 28,3 Prozent.

Der zweite Faktor für den Wandel liegt in der Migration begründet. Durch die Zuwanderung aus den umliegenden Nachbarländern Italien, Frankreich, Österreich und Deutschland, später aber auch aus Spanien und Portugal, erhielt die römisch-katholische gegenüber der evangelisch-reformierten Kirche eine zahlenmässig grössere Bedeutung. Heute machen Römisch-Katholische 37,9 Prozent an der Gesamtbevölkerung aus; bei den Evangelisch-Reformierten sind es 25,5 Prozent. Jüngere Migrationsbewegungen führten zu einer Zunahme bei jenen Religionsgemeinschaften, die noch keine lange Tradition in der Schweiz aufweisen. So sind insbesondere Angehörige islamischer Gemeinschaften, der Christlich-Orthodoxen, der Zeugen Jehovas, mancher christlicher Freikirchen sowie des Hinduismus (ca. 33‘000) und des Buddhismus (ca. 35‘000) zu einem grossen Anteil ausländischer Herkunft. Unter den eingewanderten Religionsangehörigen bilden Musliminnen und Muslime mit rund 400'000 Personen (5,1 Prozent der Gesamtbevölkerung) die grösste Gruppe. Die meisten von ihnen sind aus den Nachfolgestaaten Jugoslawiens und der Türkei eingewandert. Christlich-Orthodoxe (ca. 140'000) stammen mehrheitlich aus Serbien-Montenegro, Griechenland und Zypern. Angehörige des Hinduismus kommen aus Ländern Asiens (Sri Lanka u.a.), ebenso Angehörige buddhistischer Vereinigungen (v.a. Thailand und China), wobei bei Letzteren über die Hälfte Schweizerinnen und Schweizer sind. Die jüdische Gemeinschaft weist den kleinsten Anteil ausländischer Staatsangehöriger auf.


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nach oben Letzte Änderung 18.05.2016