Staat neu denken: Von Grenzen und neuen Heimaten

EKM-Jahrestagung 2017

Medienmitteilungen, EKM, 08.11.2017

Grenzen stellen eine bestimmte Raumordnung her und ermöglichen die Zuschreibung von Individuen zu einem konkreten Staatsterritorium. Imaginäre Trennlinien, die in unseren Vorstellungen gebildet werden, teilen Menschen in unterschiedliche soziale Kategorien und Lebenswelten ein. Unser gelebter Alltag – die Gestaltung der Freizeit, die wirtschaftlichen Verflechtungen und Arbeitsprozesse, unsere Beziehungen und unser Selbstverständnis – gestaltet sich aber zunehmend grenzüberschreitend. Welchen Einfluss haben diese physischen und imaginären Grenzen beziehungsweise deren Aufweichung auf das Leben der Menschen und auf den Staat? Diesem Fragenkomplex widmet die EKM die diesjährige Jahrestagung vom 9. November und wagt einen visionären Blick auf neue Heimaten jenseits von Grenzen.

In einem ersten Teil geht es um die Unterscheidung von realen und imaginären Grenzen. Wie sehr spielen sie eine Rolle für Gesellschaften, für die einzelne Person, seine Bewegungsfreiheit und sein Selbstverständnis? Janine Dahinden, Expertin zu Transnationalismusforschung, Kristina Schulz, Dozentin zu Migrationsgeschichte, Samir, Filmemacher, und Nasser Tafferant, Soziologe und selber Grenzgänger, beleuchten verschiedene Aspekte und zeigen auf, dass die Durchlässigkeit von physischen Grenzen davon abhängt, ob jemand privilegiert oder eher nicht privilegiert ist, dass Trennlinien, die in unseren Köpfen gebildet werden, unseren Alltag massgebend beeinflussen und dass trotz dieser Schranken grenzüberschreitendes Handeln zum Alltag vieler Menschen gehört.

In einem zweiten Teil geht es um die oft kontrovers geführte Debatte um "offene Grenzen". Soll Menschen ein Recht auf globale Bewegungsfreiheit zugestanden werden? Oder führen offene Grenzen zu mehr Ungleichheit? Zwei Philosophen, Andreas Cassee und Hans Bernhard Schmid, legen die Pro- und Contra-Positionen dar.

Und schliesslich: Wie verorten wir uns in einer Welt, in der Mobilität zu einem zentralen Merkmal geworden ist? Brauchen wir "Wurzeln" und wenn ja, welche? Müssen wir "Heimat" neu definieren? Joelle Kuntz, Journalistin, und Ilma Rakusa,  Schriftstellerin, stellen ihre Überlegungen zur Diskussion.

Dokumentation

nach oben Letzte Änderung 08.11.2017

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