Rückkehr des Religiösen in die öffentliche Debatte

Medienmitteilungen, EKM, 19.05.2016

Glaubensvielfalt, zunehmende Säkularisierung der Gesellschaft und «Muslimisierung» der öffentlichen Debatte sind nur einige der Themen, welche die Eidgenössische Migrationskommission EKM in ihrer Zeitschrift «terra cognita» in den Fokus stellt. Die heute veröffentlichte Ausgabe geht dem Einfluss von Migration auf Religion nach.

Welchen Stellenwert hat Religion in der Migrationsgesellschaft Schweiz? Warum werden Menschen aus Bosnien, der Türkei oder aus dem Kosovo seit einigen Jahren als Muslime wahrgenommen? Warum lösen einzelne Niqab tragende Frauen nationale Debatten über die Werte der Schweiz aus oder sehen Schweizer das christlich-abendländische Erbe bedroht? Wie lässt sich das grosse öffentliche Interesse an religiösen Themen vor dem Hintergrund erklären, dass sich immer mehr Menschen als konfessionslos bezeichnen? 

Die heute veröffentlichte Ausgabe des «terra cognita» präsentiert zu diesen Fragen Erkenntnisse aus der Wissenschaft und übergibt das Wort sowohl religiösen Würdenträgern aber auch Konfessionslosen, Migrationsexperten, Gläubigen und Nicht-Gläubigen. 

Zum Beispiel zur Muslimisierung der öffentlichen Diskussion: Trotz fortschreitender Säkularisierung der Gesellschaft nehmen Fragen rund um Religion eine zentrale Rolle in der öffentlichen Debatte ein. Michele Galizia, Leiter der Fachstelle Rassismusbekämpfung, spricht von einer «Religionisierung» der Migrationsdebatte, die sich aber nahezu ausschliesslich auf den Islam beziehe. Eine ähnliche Beobachtung macht auch Anaïd Lindemann, Forschungsbeauftragte für Religionssoziologie in Lausanne, die die Entwicklung des öffentlichen Diskurses seit den 1970er-Jahren untersucht hat: Ausländer waren früher «Italiener», heute sind es «Muslime». Während das öffentliche Interesse vor allem Muslimen gilt, wird anderen Religionsgemeinschaften wie etwa Hindus aus Sri Lanka, Buddhisten aus Thailand oder evangelikalen Gruppierungen aus den USA kaum Aufmerksamkeit geschenkt. 

Ein weiteres Beispiel: Rafael Walthert ist der Frage nachgegangen, was mit den vielen, kaum noch besuchten Kirchen an bester Lage in den Zentren passiert, während gleichzeitig neue Religionsgemeinschaften – und beileibe nicht nur muslimische Gemeinden – verzweifelt nach geeigneten Räumen suchen. 

Dass fernab der Heimat veränderte Konstellationen einen Wandel in den Religionsgemeinschaften auslösen können, zeigt das Interview mit Mala Jeyakumar. Sie wurde 2015 als Frau zur Hindu-Priesterin geweiht, ein Novum, das in Sri Lanka nicht denkbar wäre. Die Aufnahmegesellschaft beeinflusst demnach nicht unwesentlich überlieferte Praktiken.

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nach oben Letzte Änderung 19.05.2016

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