Zeitschrift terra cognita «übers Land»

Medienmitteilungen, EKM, 30.05.2013

Wie lebt man heutzutage auf dem Land? Wie real ist die Dorfidylle? Und: Ist die Integration im ländlichen Raum schwieriger oder einfacher als in der Stadt? Die neuste Ausgabe der Fachzeitschrift «terra cognita», herausgegeben von der Eidgenössischen Kommission für Migrationsfragen EKM, gibt auf diese Fragen mannigfaltige Antworten.

Der ländliche Raum war und ist weder Idyll noch Insel, weder Paradies noch reine Natur: Eine erste, summarische Antwort erhält man im Editorial präsentiert. Doch zuerst gilt es zu erkunden, was der ländliche Raum überhaupt ist. Die Migrationskommission unterstützt seit 2008 in einem speziellen Programm regionale Integrationsprojekte im periurbanen Raum. Dieser Raum liegt relativ nahe an den urbanen Zentren, vornehmlich im Mittelland. Laut offizieller Definition umfasst er heute rund 1300 Gemeinden, 1,7 Millionen Einwohner und nicht ganz eine halbe Million Arbeitsplätze. Dieser Raum ist attraktiv – für den Gemüseanbau wie für den Hausbau.

Verschiedene Aspekte der landwirtschaftlichen Arbeit werden in der Zeitschrift aufgezeigt: die Rekrutierung und die Wohn- und Arbeitsverhältnisse von Erntehelfern, Interviews mit Agronominnen aus Polen, die Schweizer Bauern unter die Arme greifen und vielleicht sogar für immer hier bleiben. Dass ausländische Hilfskräfte auf Schweizer Bauernhöfen keineswegs eine Erscheinung der Neuzeit sind, zeigen historische Betrachtungen: So gab es in den 1950er-Jahren spezielle Sprachkurse (Italienisch, Spanisch) für Bauern, ausgestrahlt von Radio Beromünster, abends nach 20 Uhr. Markus Ritter, der Präsident des Schweizerischen Bauernverbandes, der in einem Interview zu den aktuellen Herausforderungen der Landwirtschaft befragt wird, erklärt, dass diese Landwirtschaft ohne ausländische Arbeitskräfte nicht funktionsfähig wäre: «Den Gemüsebau könnten wir weitgehend vergessen, und auch den Obstbau müssten wir wohl um einiges reduzieren.»

Zum ländlichen Raum gehört das Wallis– ein Kanton, der meistens als eigenständig und bodenständig wahrgenommen wird, ein Kanton, der auf seine Traditionen bedacht ist. Ein Beitrag in terra cognita zeigt auf, wie dörfliche Strukturen die Integrationsbemühungen von Zuzügern unterstützen können, auch wenn dies erst auf den zweiten Blick sichtbar wird. In einem anderen Beitrag wird auf die Lebensgeschichten von 24 Frauen hingewiesen, welche versuchen, in Graubünden heimisch zu werden. Eine Kurdin wird mit diesem Wunsch zitiert: «Ich möchte mitwirken und wertgeschätzt werden.» Es stört sie, wenn sie «auf Folklore reduziert wird».

Schliesslich wird in vier Beiträgen die Arbeit im EKM-Programm «periurban» vorgestellt: zum Beispiel die Zusammenarbeit mit lokalen Firmen, um die Integration am Arbeitsplatz zu verbessern, die Bedeutung der Freiwilligen- und Informationsarbeit sowie die Bemühungen um bessere Partizipation der Zugezogenen, die – so das Fazit – von einem politischeren Selbstverständnis der Projekte profitieren würde.

«terra cognita» gibt es auch online: www.terra-cognita.ch

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nach oben Letzte Änderung 30.05.2013