Veröffentlicht am 13. Januar 2025
Geförderte Projekte des Programms «Periurban»
Im Rahmen des Programmes «Periurban» unterstützte die Eidgenössische Migrationskommission EKM von 2008 - 2020 13 zivilgesellschaftliche Projekte in ländlichen Regionen welche das Zusammenleben von Ansässigen und Zugewanderten verbessern und zur Stärkung des sozialen Zusammenhalts aller gesellschaftlichen Gruppen beitragen.
Mit dem Projekt «Impuls Zusammenleben» wollten die teilnehmenden Gemeinden das Zusammenleben künftig aktiv mitgestalten. Die Gemeinden der Region Aargau Süd erachteten es als sinnvoll, zunächst eine Strategie zur Förderung eines guten Zusammenlebens zu entwickeln. Vorhandene Synergiepotentiale sollten genutzt und neue Grundlagen geschaffen werden.
Das waren die Projektziele
«Impuls Zusammenleben» sollte das Engagement im Bereich des Zusammenlebens fördern, die gesellschaftliche Integration und den sozialen Zusammenhalt in den Gemeinden der Region stärken. Zielgruppe des Projekts war die Gesamtbevölkerung. Die Umsetzung erfolgte in vier Handlungsfeldern: Freiwilligenarbeit, Integration, frühe Kindheit und Jugend mit jeweils spezifischen Zielsetzungen pro Teilbereich.
Daran wurde gearbeitet
Handlungsfeld Freiwilligenarbeit
Ziele:
- Die Sichtbarkeit und Wertschätzung des freiwilligen Engagements sind erhöht.
- Das freiwillige Engagement wird gefördert.
- Vereine für freiwilliges Engagement öffnen sich für Interessierte.
- Vernetzungs- und Zusammenarbeitsprozesse sind initiiert.
Umsetzung:
Das Engagement von Freiwilligen wurde in eigenen Projekten gefördert (Onderwerch, Integrationsprojekte) und Interessierte in Veranstaltungen sowie mit Öffentlichkeitsarbeit angesprochen. Zudem wurden Vernetzungsanlässe wie das «Gipfeltreffen der VereinspräsidentInnen» ins Leben gerufen, die regionale Mitgliedschaft bei Benevol angestrebt und der kantonale Auftrag für eine «Koordinationstelle für Freiwilligenarbeit im Flüchtlingsbereich (KFA)» übernommen. Die Koordinationsstelle hat Angebote wie das Bewerbungsatelier oder die Vermittlungsstelle «Jobwärts» für Gemeindeeinsätze für Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene geschaffen.
Handlungsfeld Integration
Ziele:
- Struktur zur operativen Umsetzung des Integrationsförderauftrages ist etabliert.
- Vernetzung und Zusammenarbeit der Akteure sind gewährleistet.
- Fachliche und operative Unterstützung der regionalen Strukturen wird geleistet.
- Zielgruppen werden erreicht; Zusammenarbeit mit Schlüsselpersonen ist etabliert.
- Für Personen mit Migrationshintergrund besteht eine niederschwellige Anlaufstelle mit Beratungsangeboten.
Umsetzung:
Es wurde eine regionale Fachstelle Integration ins Leben gerufen, die Einzelpersonen, Fachstellen, Gemeinden mit Informationen versorgt sowie Fachunterstützung und Beratungen anbietet und zudem die unterschiedlichen Angebote koordiniert. Die Zusammenarbeit mit lokalen Integrationsakteuren wurde intensiviert und im Hinblick auf den Bedarf von spezifischen Zielgruppen (albanisch-, arabisch-, tigrinya- sprachige MigrantInnen) wurden geeignete Informations- und Integrationsangebote aufgebaut. Veranstaltungen und Plattformen förderten den Austausch zwischen der einheimischen Bevölkerung und den Zugwanderten.
Handlungsfeld frühe Kindheit und Familie
Ziele:
- Der Vorschulbereich wird in die Integrationsarbeit miteinbezogen, frühe Sprachförderung wird umgesetzt.
- Die Vernetzung und Zusammenarbeit der Akteure sind gewährleistet.
Umsetzung:
Für den Bereich frühe Kindheit wurden ein regionales Netzwerk aufgebaut und eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen. Es wurde Informationsmaterial aufbereitet, eine Angebotsübersicht geschaffen und Öffentlichkeitsarbeit geleistet. Mit einer Situationsanalyse wurde ein Strategieprozess angestossen. Diese Strategie wird gemeinsam mit den Gemeinden und den relevanten Akteuren umgesetzt. Dank dieser Grundlage konnte Impuls Zusammenleben zur Pilotregion für die kantonale Strategie in der frühen Sprachförderung werden.
Handlungsfeld Jugend
Ziele:
- Die Partizipation am gesellschaftlichen Leben und das Engagement für das Gemeinwesen sind gestärkt.
- Eine konstruktive Auseinandersetzung mit Herausforderungen des Zusammenlebens wird gefördert.
- Mit Treffpunkten und geeigneten Räumlichkeiten stehen Orte für die Jugendkultur zur Verfügung.
- Eine Anlaufstelle für Jugendfragen informiert, aktiviert und animiert die Zielgruppe.
Umsetzung:
Es wurden eine regionale Fachstruktur Jugend und Soziokultur aufgebaut sowie ein regionales Freizeithaus eröffnet, wo Jugendliche Veranstaltungen und Freizeitaktivitäten durchführen können und das auch Vereinen für ihre Aktivitäten zur Verfügung steht. An Festen und Feierlichkeiten in einzelnen Gemeinden wurden die Jugendlichen als Zielgruppe speziell angesprochen und beteiligt. Überdies wurden Vorarbeiten für eine digitale Info- und Partizipationsplattform für die Region geleistet.
Projektförderung Zusammenleben und soziale Integration
Ziele:
- Die lokalen Akteure erkennen die Bedeutung des Themas Zusammenleben und soziale Integration.
- Vereine, Organisationen und Einzelpersonen engagieren sich mit eigenen Projekten im Bereich Zusammenleben.
- Engagierte werden bei der Realisierung und Weiterentwicklung von Projekten und Angeboten fachlich, materiell und finanziell unterstützt
Umsetzung:
Es wurden lokale Initiativen und Projektvorhaben unterstützt, wie etwa «Respect!» für die Fussballvereine der Region, der Aufbau eines Wyna-Beachs, einer Strandzone für Begegnungen, ein Tanzprojekt, Samstagmärkte und der Aufbau eines Eltern-Kind-Treffs.
Das besteht weiter
Anfang 2020 begann die Überführungsphase des «Periurban»-Projektes in die regionalen Regelstrukturen. Mit Unterstützung einer externen Fachperson konnte ein Konzept samt Kostenmodell erarbeitet werden. Das Projekt wird in den Strukturen des Verbands «aargauSüd impuls», dem Regionalplanungsverband weitergeführt. Die beteiligten Gemeinden haben dieser Verstetigung zugestimmt und die entsprechenden Mittel gesprochen und der Kanton Aargau beteiligt sich massgeblich mit Mitteln aus dem kantonalen Integrationsprogramm KIP. Damit sind die Voraussetzungen für eine regionale Fachstelle in der Region AargauSüd gegeben, die ab 2022 im Regelbetrieb arbeitet.
Die Einwohnerinnen und Einwohner der Region Broye in den Kantonen Waadt und Freiburg wurden eingeladen, ihre Sorgen und Bedürfnisse punkto sozialer Integration und Lebensqualität zu artikulieren und Massnahmen, die sich aus den Konsultationen ergeben hatten, gleich selber umzusetzen. Mit diesem partizipativen Ansatz wollte man die Schritte zur Verbesserung des Zusammenlebens möglichst breit abstützen.
Eine weitere Besonderheit des Projektes: Es wurden keine neuen Strukturen geschaffen, sondern konsequent die Zusammenarbeit mit den Akteuren vor Ort und in bestehenden Partnerschaften gesucht. Das förderte Synergien und die Vernetzung auf lokaler und regionaler Ebene.
Das wurde umgesetzt
An einer grossen interkulturellen Feier in Payerne mit über 2000 Teilnehmenden fiel der Startschuss. In der Folge wurden in den verschiedenen Bezirken anhand von Leitfadeninterviews und Fragebögen die Bedürfnisse der Bevölkerung abgeholt. Pro Gemeinde entstand ein Bericht mit Empfehlungen, die durch lokale Akteure weiter konkretisiert wurden.
Verwirklicht wurden auf diese Weise Animationen für ältere Menschen (Murist) und für Jugendliche (Lucens), multikulturelle Begegnungen (Estavayer-le-Lac), Französischkurse (Payerne) und Werkstätten für Migrantinnen und Migranten (Moudon). In Murist wurden zudem ein Netzwerk zur Beförderung von Personen ohne Transportmöglichkeiten sowie Nachbarschaftshilfen und Tauschkreise geschaffen. Und: Estavayer-le-Lac gründete eine kommunale Integrationskommission.
Das hat das Projekt bewirkt
Das Projekt hat Begegnungsmöglichkeiten zwischen strategischen Akteuren, lokalen Gruppen, Vereinen und den Einwohnerinnen und Einwohnern geschaffen. So wurden Betroffene zu Akteuren. Dank der Vorschläge, die aus den Bedarfsanalysen hervorgingen, konnten die Solidarität, der Austausch und die Integration verbessert werden. Überdies sorgten die Massnahmen für einen einfacheren Zugang zu sozialen Dienstleistungen. Dass die Umsetzung mit der Unterstützung von Personen erfolgte, die in ihrer Gemeinde gut integriert sind und ein hervorragendes Netzwerk haben, steigerte zudem die Nachhaltigkeit der eingeleiteten Schritte.
Im Bezirk Weinfelden war in Politik und Bevölkerung der Bedarf nach Integrationsangeboten nur teilweise anerkannt. Vielmehr war die Ansicht verbreitet, dass Integration die alleinige Aufgabe der Migrantinnen und Migranten sei. Erst mit dem Aufbau der Integrationsarbeit konnte deutlich gemacht werden, dass Integrationsangebote Beziehungen ermöglichen und dass die Zielgruppen die Angebote schätzen und nutzen. Zudem schuf der sorgfältige Umgang mit Finanzen Vertrauen bei den Entscheidungsträgern.
Mit diesen Voraussetzungen gelang es, den Aufbau eines regionalen Kompetenzzentrums Integration an die Hand zu nehmen. Die Ausschreibung von «Periurban» bot Gelegenheit, das Projekt umzusetzen.
Das waren die Ziele
Das Projekt «Identität und Gemeinschaft» wollte dazu beitragen, dass die Region für Einheimische und Zugewanderte gleichermassen identitätsstiftend und gemeinschaftsbildend wirkt. Die vier Teilziele waren:
Vereinheitlichung: Die Integrationsangebote und Dienstleistungen in Weinfelden und den umliegenden Gemeinden zusammenführen und bekannt machen.
Partizipation: Für Problemerhebung und Lösungsfindung in ausgewählten Bereichen eine Vielzahl an Akteuren beteiligen (Einheimische, Zugewanderte, Verwaltung, Gewerbe, Industrie).
Koordination: Zwischen den Gemeinden des Bezirks eine zweckmässige Zusammenarbeit bei der Integrationsförderung etablieren und ein gemeinsames Problembewusstsein schaffen.
Zentralisieren: Weinfelden als regionale Anlaufstelle und als Kompetenzzentrum Integration in der Region verankern.
Das wurde umgesetzt
- Aufbau und Etablierung einer regionalen Integrationskommission mit Behördenmitgliedern der Gemeinden: Beratung zu Integrationsthemen und Lösungserarbeitung.
- Koordination der Integrationsangebote und Entwicklung von Projekten mit strategischen Partnern: Verbesserung des Angebots für Neuzugezogene, Entwickeln eines Qualitätslabels für Vereine zu Diversität und deren Förderung, Vereinheitlichung der Deutschkurse, Velokurs für Migrantinnen und Migranten, Standaktion an der regionalen Messe WEGA.
- Realisierung regelmässiges Kulturenfest: Begegnungen ermöglichen, Beziehungen schaffen, Verständnis fördern.
- Aufbau und Etablierung Ausländerbeirat: Thematisieren der Anliegen der Migrationsbevölkerung und Lösungsfindung im Dialog mit den Gemeinden. Vernetzung und gegenseitigen Austausch fördern.
- Konsolidierung und Evaluation: Überführung der Projekte in Regelstrukturen, Sicherung der Finanzierung. Politische Verankerung der Integrationskommission und des Kompetenzzentrums Integration.
Das hat das Projekt bewirkt
Der Prozess führte zur Gründung eines Vereins zur Integrationsförderung im Bezirk Weinfelden. Die 12 Gründungsgemeinden entschieden, den gesetzlichen Auftrag für die soziale und sprachliche Integration von Zugewanderten regional und koordiniert umzusetzen. Ende 2015 wurde das Kompetenzzentrum Integration als operative Fachstelle des Vereins eröffnet.
Das waren die Erfolgsfaktoren
Zum Projekterfolg und zur Verstetigung haben beigetragen, dass gemeinsame Werte und Leitlinien entworfen wurden. So wurde Integration als ein gegenseitiger Prozess definiert, der ein vielfältiges und friedliches Zusammenleben ermöglicht, bei dem die Potentiale aller Beteiligten genutzt werden. Bedeutsam waren überdies die Vernetzung und die Einbindung der Gemeinden in die Strukturen des Vereins und in die Aktivitäten der Geschäftsstelle sowie die verlässliche Zusammenarbeit mit der kantonalen Fachstelle Integration des Migrationsamtes Thurgau und den weiteren Akteuren.
So geht es weiter
Auch Jahre nach der Gründung des Kompetenzzentrums Integration bleibt es herausfordernd, neue Gemeinden für einen Beitritt zu gewinnen und die bisherigen von der Notwendigkeit der etablierten Strukturen zu überzeugen. Weil sich aber gezeigt hat, dass alle Mitgliedsgemeinden von der breiten und qualifizierten Dienstleistung profitieren, ist dem Kanton Thurgau zu wünschen, dass weitere Bezirke eine Regionalisierung der Integrationsangebote anstreben.
Webseite «Kompetenzzentrum Integration Bezirk Weinfelden» (KOI)
Zwischen der Waadt und dem Wallis erstreckt sich über eine weite Fläche das Chablais. Es ist eine Agglomerationsregion mit vielfältigen Herausforderungen punkto Raumentwicklung, Verkehr und Mobilität. Dank der guten Erschliessung ist es sowohl für Neuzuziehende als auch für die Industrie und KMUs sowie für den Tourismus eine überaus attraktive Region.
Mit der Unterstützung von «Periurban» setzten sieben Gemeinden der Region im Projekt «Agoris» über die Rhone und die Kantonsgrenzen hinweg Massnahmen zur Aufnahme von Neuzuziehenden, zur Integration von Migrantinnen und Migranten sowie Bildungsmassnahmen um.
Das wurde unter anderem umgesetzt
Sensibilisierung der Gemeinden für eine aktive Integrationspolitik: In einer Charta wurden die Grundsätze für ein gutes Zusammenleben festgelegt. Das Bekenntnis dazu diente den Gemeinden als Orientierungshilfe bei ihrer Integrationspolitik.
Unterstützung der Gemeinden bei der Umsetzung der Integrationsziele: Gemeinsam mit den beteiligten Gemeinden wurden Vorschläge und Angebote zur Verbesserung des Zusammenlebens zusammengetragen. Als Orientierungshilfe für die Gemeinden wurde ein Instrument entwickelt. Es diente zur Einschätzung, welche Integrationsmassnahmen je nach Grösse und Struktur zwingend vorhanden sein sollten und welche eher empfehlenden Charakter haben. Ergänzend entstand eine Anleitung für die Organisation der Anlässe für Neuzuziehende. Für den «Tag des Nachbarn» wurde gemeinsam Werbung gemacht und Material zur Verfügung gestellt.
Austausch: Einmal jährlich trafen sich die Akteure der Gemeinden und der kommunalen Integrationskommissionen zu einem Austausch. Das erlaubte es, Best Practices zu verbreiten und voneinander zu lernen.
Informationsvermittlung: Eine mehrsprachige Webseite «Agoris» und digitale Infopoints in den Gemeindeverwaltungen dienten einer zielgruppengerechten Vermittlung von Informationen über verwaltungsspezifische Dienstleistungen und das Leben in den Gemeinden.
Schulung und Begleitung von Schlüsselpersonen: Im Patenprojekt «DUO-Femmes» trafen sich Schweizerinnen oder gut integrierte Migrantinnen während neun Monaten regelmässig mit Personen, die Integrationsbedarf haben. Diese Schlüsselpersonen wurden durch «Agoris» geschult und bei der Bewältigung sowie Reflexion ihrer Aufgabe begleitet.
Neue Werkzeuge und Projekte entwickeln: Mit der Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern wurde «Helvetiq Chablais» entwickelt, ein Brettspiel, das Fragen zur Region stellt, Anekdoten erzählt und mit über 270 Fragen ein spielerisches Lernen über Geografie, Geschichte und Gesellschaft des Chablais ermöglicht. 1500 dieser Spiele gingen an Schulen, Ludotheken, Vereine oder wurden neu Eingebürgerten überreicht.
Mit dem Projekt «Bibliobus – Né pour lire» wurde zudem eine vielsprachige mobile Bibliothek ins Leben gerufen, die das Lesen auch in entlegenen Winkeln der Region fördert. Und: Mit «Mein Grossvater ist ein Held, meine Grossmutter auch» machten sich Schülerinnen und Schüler im Rahmen eines Wettbewerbes auf die Suche nach ihren familiären Wurzeln und einprägsamen Geschichten. Aus den Geschichten entstand eine professionelle Theaterproduktion, die mit Kindern in den Schulen des Chablais aufgeführt wurde.
Das wird auch in Zukunft bleiben
Über das Projektende hinaus sind regionale und kommunale Integrationsdelegierte für die Koordination und Zusammenarbeit verantwortlich und unterstützen die Gemeinden und Akteure. Das sehr erfolgreiche Projekt der mobilen Bibliothek wurde in einen Verein überführt. Die Verantwortlichen setzen sich aus einem Teil der ehemaligen Steuergruppe und der Projektleiterin von «Agoris» zusammen. Das Angebot besteht weiter und hat neue Regionen erschlossen: «Bain de livres – Bücherbad», wie es heute heisst, versorgt Leseratten in den ländlichen Regionen der gesamten Westschweiz mit Nachschub. Das Angebot fördert mit Animationen in Deutsch und Französisch sowie sechzig Migrationssprachen die Mehrsprachigkeit von Kindern und Eltern.
Im Kanton Wallis machte übrigens der regionale Ansatz von «Periurban» Schule: er diente als Vorbild für das Umsetzungskonzept des kantonalen Integrationsprogramms KIP. So sind regionale Integrationsdelegierte gemeinsam mit den kommunalen Vertretern dafür zuständig, die Vorgaben des Kantons umzusetzen. Regional und nachhaltig – wie «Agoris» es vorgemacht hat.
Weil es im Fricktal praktisch keine aktive Integrationspolitik gab, schuf «Periurban» eine Möglichkeit, die regionale Integrationsförderung anzugehen. Die Gemeinden Mumpf, Stein und Laufenburg brachten mit ihrer Eingabe das Projekt auf den Weg. Später kam Rheinfelden dazu. Das Zusammenleben sollte verbessert werden, indem es als feste Aufgabe im Gemeinwesen verankert wird. Dabei standen die Einführung von runden Tischen und der Aufbau eines Netzwerkes von Schlüsselpersonen im Mittelpunkt. Diese Plattformen und Kanäle sollten für Fragestellungen rund um Migration sensibilisieren und das Wissen sowie die Erfahrung verschiedener Akteure einbinden.
Es war von Beginn weg vorgesehen, die Projekterfolge und die gute Praxis in die Regelstrukturen zu überführen und aufgrund der Erfahrungen die groben Linien für die künftige regionale Integrationszusammenarbeit zu skizzieren.
Das wurde umgesetzt
Die runden Tische waren der Ausgangspunkt für die Entwicklung von Massnahmen für ein gutes Zusammenleben und der Integration. Dabei sorgte eine Vielzahl an Akteuren für einen bedarfsgerechten und koordinierten Aufbau der Angebote. Das Projekt bearbeitete unter anderem diese Themen:
Informationen für Neuzuziehende: Mit einer Webseite wurden die Informationen attraktiver und zugänglicher gestaltet. Erstinformationen und Begrüssungsanlässe erleichtern es den Neuzuziehenden, in den Gemeinden Fuss zu fassen.
Elternbeteiligung in der Schule: Eltern wurden in die Schulbelange miteinbezogen, damit die Schulentwicklung der Kinder enger begleitet werden kann. Das vermittelt den Kindern Sicherheit und fördert das Verständnis der Eltern für die Bildungslandschaft in der Schweiz.
Koordination und Vernetzung mit Vereinen, Freiwilligen und Anbietern im Integrationsbereich: Die Migrationsbevölkerung sollte von der Vernetzung mit Vereinen und der Öffnung von Institutionen profitieren. Das jährliche Kulturenfest «wir feiern zusammen», das Strassenfest oder die kulturellen Begegnungen in der Stadtbibliothek sind gute Beispiele dafür. In Zusammenarbeit mit Pro Senectute und dem HEKS Aargau wurde das Projekt Café Mundo gestartet, wo sich ältere Menschen mit und ohne Migrationshintergrund treffen und sich über Themen des Älterwerdens austauschen.
Vernetzung mit politischen Akteuren, Sozialdiensten, Schulen und lokalen Institutionen: Dies ermöglichte es, die Zielgruppe für die Anliegen und Bedürfnisse der Migrationsbevölkerung zu sensibilisieren. Das jährliche Gemeinderatstreffen hat sich für die politischen Akteure als Austauschplattform zum Thema Integration in der Region bewährt.
Netzwerk Schlüsselpersonen: Ein zentrales Element war auch der Aufbau eines Pools an gut integrierten Schlüsselpersonen mit Migrationshintergrund. Ihnen kommt in der Integrationsarbeit eine wichtige Brückenfunktion zu. Die Aufgabe als Schlüsselperson ermöglicht es den Migrantinnen und Migranten, sich aktiv am Gemeinwesen zu beteiligen. Die Einsätze dieser Personen werden in Schulen, Sozialdiensten oder auch bei Informationsanlässen überaus geschätzt. Das Netzwerk deckt heute 18 Sprachen ab.
Bewährte Projektformate nutzen und Öffentlichkeitsarbeit betreiben: Es gibt viele niederschwellige Projekte, die sich bewährt haben. Projektwochen, Koch- und Begegnungsanlässe oder ein Dorf-Treff sind Formate, wo sich Migrantinnen zu bestimmten Themen austauschen oder der Dialog mit Menschen unterschiedlicher Herkunft und Alters stattfinden kann. Anstatt neue Formate zu entwickeln, wurde auf Bewährtes zurückgegriffen. Die Ergebnisse wurden durch kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit bekannt gemacht, so dass viele Teile der Bevölkerung erreicht und sensibilisiert wurden.
Das besteht weiter
Nach der erfolgreichen Projektphase hat «mit.dabei-Fricktal» bei den Gemeinden einen guten Ruf. So haben sich viele Gemeinden zusammen mit dem Kanton Aargau an der Erarbeitung eines Konzeptes für eine regionale Fachstelle beteiligt. Diese unterstützt nun 22 Gemeinden bei ihren Integrationsangeboten, bereitet Informationen auf, bietet Beratung an, vermittelt Schlüsselpersonen und leistet Öffentlichkeitsarbeit.
Die Zusammenarbeit mit Partnern und die Förderung von neuen Projekten sowie Veranstaltungen gehören auch heute zu den Kernaufgaben. Grundlage der vielfältigen Aufgaben ist das regionale Konzept und der Leistungsvertrag mit dem Kanton und den Gemeinden. Die Fachstelle wird durch Beiträge des Kantons und der Gemeinden finanziert. Träger ist der Gemeindeverband «Sozialbereiche» des Bezirks Rheinfelden. Angegliedert ist überdies die Koordinationsstelle Freiwilligenarbeit im Asylbereich. Das schafft Synergien und ermöglicht eine koordinierte Zusammenarbeit.
Mit der Unterstützung von «Periurban» ging die Region Glarus Süd Herausforderungen der Raumentwicklung an. Einerseits galt es, auf den demografischen Wandel zu reagieren, der sich in einer zunehmend älteren Bevölkerung und vielen ausländischen Arbeitskräften zeigt. Andererseits sollte die Identifikation mit der neuen Gemeinde Glarus Süd gestärkt werden, die aus der Fusion von 17 Gemeinden hervorgegangen war.
So lag es nahe, das Projekt auf drei Bereiche zu fokussieren: Erstens auf Identifikationsangebote im neuen Lebensraum, zweitens auf die Integration und die Teilhabe der ausländischen Bevölkerung und drittens auf das Zusammenleben zwischen den Generationen mit einem Schwerpunkt Jugendarbeit.
Mit einer partizipativ angelegten Situationsanalyse wurde der Kreis der Beteiligten von Beginn an weit gefasst. Aus den Ergebnissen wurde ein Paket mit zehn Massnahmen geschnürt. Die Projektleitung wurde damit beauftragt, die Umsetzung aktiv zu begleiten.
Das wurde umgesetzt
Diese Aktivitäten entwickelte «Glarus Süd sind wir»:
Identifikation:
- Mit der Ausstellung «Menschen in Glarus Süd – Ihre Hoffnungen und Träume» haben Schülerinnen und Schüler der Region ein Gesicht gegeben. An einem Gemeindeanlass wurden die grossformatigen Porträts und Interviews in einer Vernissage vorgestellt.
- Einmal im Jahr wurde der Gemeindeanlass «Glarus Süd trifft sich» durchgeführt.
- Mit «Glarus Süd aktiv» informiert eine Internetplattform über das Leben in der Region. In zwölf Sprachen sind Freizeit-, Integrations-, Kurs-, und Sportangebote aufbereitet. Interessierte finden zudem Hinweise zu Veranstaltungen, Vereinen, Politik und Arbeit.
Integration und Teilhabe:
- Fit für Kindergarten und Schule: Frühe Förderung von Kindern zur besseren Vorbereitung auf Kindergarten und Schule
- Glarus Süd Integrationsprogramm: Ein Bündel von Massnahmen hilft Neuzuziehenden, sich in der Region zurecht zu finden. Erstinformationen, Willkommensgespräche, Anlässe für Neuzuziehende und Infoveranstaltungen prägen die Willkommenskultur.
- Weitere Integrationsangebote sind: Vermittlungsplattform für Deutschkurse, Patenschaften, Arbeitseinsätze sowie Integrations-Coaches zur Begleitung von Familien und Einzelpersonen bei erschwerter Integration.
Zusammenleben:
- Der Verein Talföhn hat ein Kultur- und Generationenhaus aufgebaut. Der Treffpunkt für soziokulturelle Veranstaltungen, Begegnungen und Kreativität ist aus der Region nicht mehr wegzudenken und leistet einen wertvollen Beitrag zum intergenerationellen Zusammenleben.
- Bsinti Lesecafé & Kulturbar: Freiwillig Engagierte schufen ein Kulturangebot, das den Austausch zwischen der einheimischen Bevölkerung, Gästen und Freunden von Braunwald fördert.
Schwerpunkt Kinder und Jugend:
- Reparieren statt wegwerfen: In Zusammenarbeit mit den Grünen und Freiwilligen der Pfadi wurde ein Repair-Café ins Leben gerufen. Einmal pro Jahr kann man dort kaputte Geräte wieder flott kriegen.
- Ferienlager für Schülerinnen und Schüler von Glarus Süd: Die Sommerlager sind sehr beliebt und durchwegs ausgebucht.
- Ausserhalb des Projekts wurde die offene Jugendarbeit in der Gemeinde aufgebaut und es wurden die entsprechenden Strukturen geschaffen
Das hat das Projekt bewirkt
Die fusionierte Gemeinde Glarus Süd hat sich gut entwickelt – auch dank Periurban und den engagierten regionalen Akteurinnen und Akteuren. Die Aktivitäten von «Glarus Süd sind wir» boten eine gute Gelegenheit, um Angebote und Strukturen zu etablieren, die noch heute das Zusammenleben in der Region prägen und von der Gemeinde sowie dem Kanton unterstützt werden.
In den Bezirken Muri und Bremgarten im aargauischen Freiamt leben rund 14 000 Ausländerinnen und Ausländer. Deren Integration in das Gemeindeleben ist wenig ausgeprägt: Während sich der Kontakt mancher Ausländerinnen und Ausländer auf ihre Diaspora beschränkt, nehmen andere an öffentlichen Anlässen bestenfalls als Gäste teil. Viele Menschen mit Migrationshintergrund sind im Gemeindeleben aber überhaupt nicht präsent.
Die offizielle Politik im Freiamt fördert die Integration kaum. Das beeinträchtigt nicht nur die Teilhabe der Migrationsbevölkerung, sondern erschwert es auch den Einheimischen, überhaupt mit Ausländerinnen und Ausländer in Kontakt zu treten und einen Beitrag zur Integration zu leisten.
Dieser Knoten sollte mithilfe von «Periurban» gelöst werden. Mit dem Zusammenschluss von bisherigen, im Integrationsbereich tätigen Akteuren zu einer Arbeitsgruppe «Zäme läbe Freiamt» sollte das Integrationsanliegen mehr Gewicht erhalten und den Gemeinden die Notwendigkeit einer aktiven Integrationspolitik aufgezeigt werden.
Das waren die Ziele
Die Plattform «Zäme läbe Freiamt» sollte den regelmässigen Austausch zwischen MigrantInnen, der einheimischen Bevölkerung, Vereinen, Firmen und Behörden fördern. Das Projekt umfasste insgesamt fünf Teilprojekte, die dem ländlichen Charakter des oberen Freiamt Rechnung tragen.
Sensibilisierung: Die Behördenmitglieder anerkennen die Bedeutung der Integration. Integrationsprojekte und -angebote sind fester Bestandteil der Gemeindebudgets.
Dialog: Ein «runder Tisch» fördert das gegenseitige Verständnis zwischen Migrantinnen und Migranten, Behördenmitglieder, Fachpersonen, Firmen und weiteren Akteuren.
Wissen: Informationsbroschüren in verschiedenen Sprachen erleichtern es den Migrantinnen und Migranten, sich zu orientieren. Für die Erarbeitung der Broschüren werden KulturvermittlerInnen und MigrantInnen beigezogen.
Sprachpatenschaften: Tandems mit Einheimischen tragen zur Verbesserung der Sprachkenntnisse von Migrantinnen und Migranten bei.
Sammlung von Mythen und Sagen von Einheimischen und Zugewanderten vermittelt Werte und Traditionen des jeweiligen Herkunftskreises. Die Erzählungen werden an verschiedenen Lesungen präsentiert, anschliessend gebunden, illustriert und veröffentlicht.
Flüchtlingstag: Der jährlich in Muri stattfindende Flüchtlingstag bietet ein vielfältiges Programm mit kulturellen Beiträgen, kulinarischen Genüssen und Informationen. So entsteht eine Brücke zwischen geflüchteten Menschen und der einheimischen Bevölkerung.
So verlief die Umsetzung
Im Verlauf der Projektentwicklung zeigte sich, dass mehrere Akteure nicht bereit waren, sich einbinden zu lassen und ihre Aktivitäten lieber unabhängig weiterführten. Zudem gelang es nicht, genügend Gemeinden für die Plattform «Zäme läbe Freiamt» zu gewinnen: Nur zwei Gemeinden waren bereit, sich ergänzend zu Bund und Kanton finanziell zu beteiligen. Andere lehnten das Projekt mit der Begründung ab, der Ausländeranteil sei so niedrig, dass deren Integration kaum Bedeutung zukomme. Dritte konnten sich weder für noch gegen eine Teilnahme entschliessen. Trotzdem konnten einige Projekte entwickelt und realisiert werden. So entstanden Sprachpatenschaften, eine Webseite, ein Leitfaden für Neuzugezogene, ein regelmässiger Treffpunkt in Muri, das jährlich stattfindende Fest der Kulturen und ein Musikprojekt.
Trotz grossen Anstrengungen ist es aber nicht gelungen, im oberen Freiamt regionale Integrationsstrukturen zu etablieren. So konnten die Projektziele nur teilweise erreicht werden und eine koordinierte Zusammenarbeit und Vernetzung fehlen bis heute.
Was bleibt: Eine Beratungs- und Schreibstube für Flüchtlinge, ein multinationaler Chor, der aus dem Musikprojekt von «Zäme läbe Freiamt» entstanden ist sowie das Fest der Begegnung am Flüchtlingstag oder das Café international und der alli-mintenand-Treff in Zufikon. Ins Leben gerufen wurde überdies eine Koordinationsstelle für Freiwilligenarbeit im Asylbereich für das ganze Freiamt.
Die Region Thal umfasst drei Flusstäler im Solothurner Kettenjura. Die acht Dörfer dieser idyllischen Region sind mit einer demografischen Entwicklung konfrontiert, die auch andere ländlichen Regionen kennen: Überalterung, Abwanderung und die mangelhafte Integration von Zugewanderten.
Mit der Teilnahme am Programm «Periurban» nutzte der regionale Gemeindeverband «Verein Region Thal» und Träger des Naturparks Thal die Chance, das Zusammenleben aktiv zu fördern und mitzugestalten.
Das waren die Ziele
Das Projekt «Wir sind Eins» wollte
Sensibilisieren: Bevölkerung und Behörden erkennen, dass die Förderung des Zusammenlebens eine Querschnittsaufgabe ist. Alle sind aufgerufen, sich daran zu beteiligen.
Stärken: Strukturen etablieren, die für eine hohe Lebensqualität sorgen. Strukturen, in denen soziale Verantwortung gelebt wird und die es ermöglichen, die gesellschaftlichen Herausforderungen gemeinsam zu meistern.
Verbinden: In der Altersarbeit mit generationenübergreifenden Massnahmen den Auswirkungen der demographischen Entwicklung entgegenwirken.
Vernetzen: Private und öffentliche Akteure aus dem Sozial-, Jugend-, Alters-, Gesundheits- und Integrationsbereich zu einem Netzwerk verknüpfen.
Aktivieren: Das Potential und die Ressourcen der Bevölkerung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt aktivieren und besser nutzen.
Partizipieren: Neuzugezogenen, Migrantinnen und Migranten sowie Kindern und Jugendlichen mehr Mitsprache und Gestaltungsmöglichkeiten ermöglichen.
Das wurde umgesetzt
«Wir sind Eins» setzte diese Schwerpunkte:
Aktives Zusammenleben: Das Projekt hat Berührungspunkte zwischen Generationen und kulturellen Gruppierungen geschaffen, sei dies mit dem Projekt Generationenjass oder den Sackgeldjobs, dem Repair Café «ReparaThal» oder der Präsenz am Naturpark-Märet. Das fördert den Austausch und ermöglicht ein gelingendes Zusammenleben.
Koordination und Netzwerk: Das Projekt vernetzte Organisationen und Akteure des sozialen Bereichs, insbesondere bei den Themen «Alter» und «Integration».
Integration: Das Projekt verwirklichte Integrationsvorhaben. Die Gemeinden wurden bei der Umsetzung des kantonalen Programms «start.INTEGRATION» unterstützt. Die Bevölkerung wurde miteinbezogen und begleitete die Integrationsprozesse. Beispielhaft dafür steht der niederschwellige Sprachkurs «Café Wortschatz», dem 2019 ein Anerkennungspreis des Kantons Solothurn verliehen wurde.
Das hat das Projekt bewirkt
Das Projekt hat dazu beigetragen, dass die Bevölkerung der Region Thal zu einer Gemeinschaft zusammenwächst. Menschen mit Migrationshintergrund, ältere Menschen und die Jugend nehmen ganz selbstverständlich am gesellschaftlichen Leben teil. Rund um das Projekt «Wir sind Eins» haben sich viele neue Initiativen entwickelt: Frühförderung, Kleiderbörse und Spielnachmittage. Auch der Generationen-Jass oder etwa die Sackgeldbörse in Zusammenarbeit mit der Jugendarbeit sind aus dem Thaler Gesellschaftsleben nicht mehr wegzudenken.
Das besteht weiter
Dank des Projektes «Wir sind Eins» wurde das Thema «Gesellschaft» als regionales Anliegen etabliert. Für die Rezertifizierung des Labels Naturpark wurde dieser Themenbereich in die Strategie integriert und steht gleichberechtigt neben Natur und Wirtschaft. Finanziert werden die Dienstleistungen des Fachbereich Gesellschaft durch die Gemeindebeiträge an den Verband sowie die Programmvereinbarung des Naturparks mit dem Bundesamt für Umwelt.
Im industriell geprägten St. Galler Rheintal, einer Region mit vielen Zugewanderten und einer Vielzahl kleiner und mittlerer Gemeinden gab es namentlich im Schulbereich Strukturen und Angebote, die auf eine verbesserte Integration der Migrationsbevölkerung und ein gelingendes Zusammenleben abzielten. Trotz zahlreicher Herausforderungen fehlte aber eine regionale und koordinierte Strategie.
Die Gemeinde St. Margrethen wollte ihre Bemühungen verstärken und bewarb sich deshalb um die Teilnahme bei «Periurban». Nachdem bestimmte planerische Voraussetzungen (Strategiepapier, Umsetzungskonzept, Meilensteine und Budget) erfüllt waren und das Projekt vor allem regional hinreichend verankert wurde, fiel der Startschuss.
Das waren die Projektziele
Berufliche Integration: Migrantinnen und Migranten sind in der Lage, ein wirtschaftlich eigenverantwortliches und gesichertes Leben zu führen.
Öffnung Angebote: Der Zugang zu den Angeboten der Regelstrukturen ist für die zugezogene Bevölkerung sichergestellt. Vereine, Institutionen und Angebote stehen der gesamten Rheintaler Bevölkerung offen.
Zielgruppenspezifische Informationen: Die Bedürfnisse und Ansprüche unterschiedlicher Zielgruppen (Zugezogene, Einheimische, Behörden) sind gegenseitig bekannt. Informationen über die Lebensweise in der Schweiz sowie über die schweizerische Rechtsordnung sind ansprechend aufbereitet und werden zielgruppengerecht vermittelt. Schwer erreichbare Zielgruppen werden erreicht.
Teilhabe: Alle Bevölkerungsgruppen nehmen am öffentlichen Leben teil; der gesellschaftliche Zusammenhalt wird gefördert.
Aufbau Strukturen: Regionale Strukturen zur Förderung der gesellschaftlichen Integration sind etabliert. Die Strukturen werden von den lokalen politischen Behörden mitgetragen.
Das wurde umgesetzt
Eine Vielzahl an Aktivitäten verlieh dem Projekt Gestalt: In drei Gemeinden boten Infostellen Begrüssungsgespräche für Neuzuziehende an und vermittelten mit Willkommensbroschüren nützliche Informationen zum Gemeindeleben. Die offenen Sprechstunden ermöglichten niederschwellige Beratungen in Deutsch und unterschiedlichen Fremdsprachen. Dem Informationsbedürfnis wurde überdies mit einer eigens entwickelten Webseite Rechnung getragen.
Weil am Anfang einer erfolgreichen Integration persönliche Kontakte stehen, wurden Schlüsselpersonen angeworben, geschult und vermittelt. Zudem wurden «Femmes-Tische» eingeführt – ein Gefäss, das für Frauen mit Migrationshintergrund Austauschmöglichkeiten und Zugang zu niederschwelliger Bildung in der Muttersprache zu Themen der Erziehung, Gesundheit und Integration schafft. Diese Zielgruppe wurde auch mit den Frauentreffs adressiert, die in verschiedenen Gemeinden aufgebaut wurden. Im Rahmen der interreligiösen Aktionswoche IDA fanden zudem Begegnungen und Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit den verschiedenen Religionsgemeinschaften statt.
Die Zusammenarbeit mit Vereinen, Schulen, der Wirtschaft und Gemeinden wurde vorangetrieben: Kommunale Gruppen sowie Kommissionen für die Integrationsarbeit vor Ort leisteten dazu wertvolle Vernetzungsarbeit.
Das besteht weiter
Aus dem Projekt «mitenand statt nebetenand» und der Teilnahme am Programm «periurban» ist eine Fachstelle Integration Rheintal entstanden, die mit einem breiten Angebot eine Vielzahl von Bedürfnissen abdeckt. Im Verein St. Galler Rheintal, dem regionalen Gemeindeverband verankert, ist sie heute eine der sechs regionalen Fachstellen Integration im Kanton St. Gallen. Die Fachstelle orientiert sich an den Vorgaben des kantonalen Integrationsprogramms KIP. Ein tragender Pfeiler ist das Angebot an Schlüsselpersonen, deren Vermittlungsdienste für die Regelstrukturen wie Schule, Sozial- und Einwohnerdienste aber auch für die Migrationsbevölkerung unverzichtbar geworden sind. Finanziert werden die Aktivitäten der Fachstelle durch festgelegte pro Kopf Beiträge der Verbandsgemeinden und über den Leistungsvertrag mit dem Kanton St. Gallen.
Rasch wachsende Regionen wie Sursee-Mittelland verändern nicht nur das Gesicht einer Landschaft, sondern auch das Zusammenleben der Menschen. Neuer Wohnraum führt zu mehr Mobilität – das schwächt die Bindung an gewachsene Strukturen. Das dörfliche oder kleinstädtische Landleben muss sich angesichts von Zuwanderung und Individualisierung neu erfinden.
Die Region Sursee-Mittelland stellt sich diesen Herausforderungen. Der regionale Entwicklungsträger (RET) hat «Periurban» zum Anlass genommen, einen Entwicklungsprozess anzustossen und die Verbandsgemeinden einzuladen, Projekte zur Verbesserung des Zusammenlebens zu initiieren. Dank der Förderung von «Periurban» wurden im Projektzeitraum regionale und lokale Netzwerke miteinander verknüpft – und so der soziale Zusammenhalt gefördert.
Das wurde gemacht
Das Projekt «Landschaf(f)t Zusammenleben» gliederte sich in drei Teilprojekte:
Teilprojekt Integration: Aus den verschiedenen Akteuren in den Gemeinden entstand ein zusammenhängendes regionales Netzwerk der Integrationsförderung. Das bündelt Ressourcen, ermöglicht das Voneinander-Lernen und zeigt sich in einer freundlichen Willkommenskultur.
Teilprojekt Gelebte Kultur: Die Gemeinde Triengen verband vier fusionierte Ortsteile mit einem kulturellen Rundweg. Beromünster – ebenfalls eine fusionierte Gemeinde – gab sich ein Kulturkonzept. Damit soll das Verbindende der Kultur sichtbar gemacht und ein gemeinsames Dach für die verschiedenen Aktivitäten geschaffen werden.
Teilprojekt Freiwilligenarbeit: Wer sich freiwillig engagiert, wünscht sich Resonanz. Die Vernetzung von freiwillig Tätigen schuf solche Möglichkeiten des Austausches und der Anerkennung. In Gemeindeworkshops ermittelten Freiwillige Bedürfnisse, priorisierten sie und leiteten daraus Handlungsempfehlungen ab. Diese dienen den Behörden als Entscheidungsgrundlage, um konkrete Massnahmen umzusetzen und das freiwillige Engagement in ihrer Gemeinde zu stärken.
Das hat das Projekt bewirkt
Die Wirkung des Projektes «Landschaf(f)t Zusammenleben» beschränkt sich nicht nur auf die beschriebenen Ergebnisse: Neue Denkansätze, das Bewusstsein für die regionale Bedeutung von gesellschaftlichen Themen und die Empfänglichkeit der Politik für diese Belange lösten zusätzliche Aktivitäten in der gesamten Region mit ihren 17 Gemeinden aus. Dieser Lern- und Multiplikationseffekt ist überaus willkommen und wird zukünftigen Projekten den Boden ebnen. Allerdings erfordert eine solche Dynamik entsprechende Steuerung, Koordination und die Verknüpfung aller Aktivitäten unter einem Dach – das die gesamte Trägerregion umfassen muss.
So geht es weiter
Um dieses gemeinsame Dach zu verwirklichen, wird die neu geschaffene «Kommission für Gesellschaft und Zusammenleben» in die Strukturen des Regionalen Entwicklungsträgers, RET eingebettet. Gesellschaftsfragen gehören somit neu zum Grundauftrag des RET. Das schafft nicht nur die Möglichkeit zu Synergiekoordination, sondern auch die Voraussetzung, dass sich die Aktivitäten auf die gesamte Region Sursee-Mittelland erstrecken und als Daueraufgabe des RET wahrgenommen werden.
Erklärvideo des Projekts
Webseite «Plattform für Gesellschaft und Zusammenleben»Vier Gemeinden des unteren Freiamtes (Wohlen, Villmergen, Dottikon, Dintikon) haben gemeinsam an der Ausschreibung von «Periurban» teilgenommen und das Projekt «Toolbox Freiamt» lanciert. Der Name ist Programm und steht für die verbesserte Integration von Neuzuziehenden sowie Migrantinnen und Migranten. Das Lebensumfeld in den vier Gemeinden sollte für alle Bewohnerinnen und Bewohner an Attraktivität gewinnen. Zudem ging es darum, Institutionen und Netzwerke in das Projekt einzubeziehen und der Bevölkerung vorhandene Angebote besser zugänglich zu machen.
Das wurde umgesetzt
Grundpfeiler des Projektes sind folgende Angebote:
Vernetzungsplattform: Projektmitarbeitende bringen mit einem originellen, italienischen Rollermobil Informationsmaterial zu Deutschkursen, Familie, Bildung, Arbeit, Jugend, Kinderbetreuung etc. an öffentliche Orte in den vier Gemeinden. Passanten und Interessierte erhalten vor Ort Auskunft und können sich beraten lassen. Für längere Beratungen werden Termine auf der Fachstelle vereinbart.
Integrationsförderung: Alle Neuzuziehenden werden begrüsst und zu einem Willkommensgespräch eingeladen. Dabei wird der Integrationsbedarf abgeklärt. Eine besondere Bedeutung kommt der Vermittlung in Sprach- und Integrationskurse zu. Wer bereits Deutsch spricht, kann Informationsveranstaltungen zu Gesundheit, Schulsystem, Arbeitsmarkt und Sozialversicherungen besuchen.
Unterstützung und Begleitung für Projekte: Die Toolbox unterstützt Projektideen von Einzelpersonen oder Institutionen zum Thema «Zusammenleben» in konzeptioneller und finanzieller Hinsicht.
Das besteht weiter
Die im Projekt aufgebauten Strukturen, Angebote und Dienstleistungen sind aus der Region nicht mehr wegzudenken. Die Toolbox als Integrationsfachstelle ist fest etabliert und wird durch den Verein VJF im Auftrag der Gemeinden und einem Leistungsvertrag mit dem Kanton geführt.
Über das Projekt wurde zudem das Fest der Kulturen aufgebaut – das heute durch einen eigenständigen Verein regelmässig organisiert wird. Darbietungen von Jung und Alt, Vereinen und Organisationen zeichnen diesen partizipativen, interkulturellen Anlass aus.
Während die Einwohnerzahl in vielen Berggemeinden des Zentralwallis rückläufig ist, verzeichnet das Rhonetal durch interkantonale und internationale Zuzüge ein Bevölkerungswachstum. In der Region Sierre-Sion pendeln viele Menschen zwischen den beiden städtischen Zentren und den Dörfern hin und her. Diese Voraussetzungen rückten die Willkommenskultur für Neuzuziehende und den sozialen Zusammenhalt beim Projekt «Cohabiter Valais Central» in den Mittelpunkt. Das Projekt wollte vordringlich den Zusammenhang zwischen einem guten Zusammenleben und der wirtschaftlichen Entwicklung aufzeigen und so den sozialen Zusammenhalt in der Region stärken.
Das wurde umgesetzt
«Cohabiter Valais Central» verfolgte drei Hauptziele: Erstens die Begrüssung und Information von Neuzuziehenden in der Region verbessern, zweitens den sozialen Zusammenhalt durch Sensibilisierung der Bevölkerung, der wirtschaftlichen Akteure, der Verwaltung und Behörden stärken sowie – drittens – die regionale Zusammenarbeit im Integrationsbereich langfristig sichern.
Willkommenskultur für Neuzuziehende: Für Neuzuziehende hat «Cohabiter» eine Patenschaft entwickelt: Neuzugezogene, aber auch bereits wohnhafte Personen – egal welcher Nationalität – wurden auf Wunsch mit einer in der Gemeinde gut eingelebten Person zusammengebracht. Diese persönliche Willkommenskultur, «ein spontaner Kontakt von Herzen» (O-Ton Patin), ermöglichte eine rasche Vernetzung und Integration in der Gemeinde. Schulungen der Paten und regelmässiger Erfahrungsaustausch unterstützte die Beteiligten.
Sensibilisierung und Förderung des sozialen Zusammenhalts: Es wurden eine Austauschplattform für Gemeindebehördenmitglieder aufgebaut und halbtätige Schulungen für Verwaltungsangestellte entwickelt – mit einem Fokus auf Diversität und interkultureller Kommunikation. Mit dem Begegnungsanlass «Tag des Nachbarn»wurde das Zusammenleben gefördert.
Sicherung der Zusammenarbeit im Integrationsbereich: Migrantenvereine wurden durch die Projektleitenden mit Beratung und Austausch sowie bei der Suche nach Räumlichkeiten unterstützt. In der Region Sion sollte ein gemeinsamer «Ort der Vereine» entstehen. Während der Projektphase von «Cohabiter» wurden die Grundlagen für das kantonale Integrationsprogramm KIP gelegt. Damit entstanden die Leitplanken für die zukünftige regionale Zusammenarbeit im Integrationsbereich.
Das besteht weiter
Weil sie vom sozialen und integrativen Mehrwert überzeugt sind, haben verschiedene Gemeinden im Rahmen des Kantonalen Integrationsprogramms KIP Projekte von «Cohabiter» übernommen – so etwa die Patenschaft für Neuzuziehende, die sich heute Tandem nennt. Auch der «Tag des Nachbarn» konnte dank der Koordination von «Cohabiter» auf rund 15 Gemeinden ausgeweitet werden und ist heute ein in den Gemeinden gut verankertes Angebot. Die regionalen und kommunalen Delegierten führen die Arbeit von Cohabiter in den Strukturen des KIP weiter und profitieren dabei von den Projekterfahrungen und der etablierten Zusammenarbeit.
Das Val-de-Travers ist eine fusionierte Gemeinde im Kanton Neuenburg. Es liegt an der Grenze zu Frankreich und umfasst mit seinen neun ehemaligen «Gemeinden» rund 11 000 Einwohner. Bekannt ist diese Gegend vor allem durch die grüne Fee (Absinth), aber auch durch ihre Uhrenindustrie.
Die seit mehreren Jahrzehnten stabile Bevölkerungszahl verdankt die Region der Zuwanderung von Migrantinnen und Migranten – hauptsächlich wegen des Arbeitskräftebedarfs der lokalen Industrie. Das Einkommen ist im Vergleich zu anderen Regionen zwar deutlich niedriger. Dennoch besteht aufgrund der Solidarität zwischen den Einwohnerinnen und Einwohnern und des sozialen Gewissens der grossen Unternehmen ein guter sozialer Zusammenhalt.
Um das Zusammenspiel zwischen Zuwanderung und sozialem Zusammenhalt noch weiter zu fördern, zielte das Projekt «IntégraVal» auf Massnahmen zur raschen Integration von Migrantinnen und Migranten ab und wollte zudem die Kontakte innerhalb der Bevölkerung intensivieren.
Das waren die Ziele und die Massnahmen
Zugänge schaffen: Ein erster Schritt auf dem Weg zur Integration ist dann geschafft, wenn Migrantinnen und Migranten einen offenen Zugang zu Informationen, zu Veranstaltungen oder zu Vereinen haben. Deshalb wurden Massnahmen erarbeitet, um Neuzuziehende zu begrüssen, um Vereine für die Migrationsbevölkerung zu öffnen oder das Programm zur jährlichen Feier für die Neugeborenen auf fremdsprachige Familien auszuweiten.
Aktive Bürgerschaft (Citoyenneté) fördern: Alle Einwohnerinnen und Einwohner sollen auf der Grundlage der kantonalen Verfassung aktiv am Gemeindeleben teilhaben – unabhängig von ihrer Herkunft oder ihres Alters. Eine Bürgerschaft-Charta für Neuzuziehende verdeutlichte die Erwartungen an ein respektvolles und solidarisches Zusammenleben. Migrantinnen und Migranten profitierten zudem von einem Erstinformationsdispositiv. In den Schulen wurde eine Begrüssungskultur für zugezogene Kinder etabliert. Und: Die Kurse für Heimatsprache und -kultur (HSK-Kurse) wurden ausgebaut.
Beziehungen und Kontakte in der Bevölkerung stärken: Es braucht geeignete Gelegenheiten, damit innerhalb der Bevölkerung Kontakte entstehen und sich Beziehungen entwickeln. Deshalb wurden Organisationen und Vereine der Migrationsbevölkerung eingeladen, an den öffentlichen Veranstaltungen in der Gemeinde mitzuwirken. Zudem wurden die Verbindungen zwischen der Migrationsbevölkerung und der Gemeindebehörde (Gemeinderat) institutionalisiert. Für die Jugendlichen wurden Begegnungsräume im Jugendkulturhaus Barak geschaffen.
Übergeordnete Strategie: Damit Integration, Interkulturalität und generationenübergreifendes Zusammenleben langfristig gelingen, bedarf es einer kommunal koordinierten Strategie. Handlungsfelder und Prioritäten müssen definiert, die Finanzierung gesichert werden. Die aufgebauten Integrationshilfen wurden auf Gemeindeebene fest verankert und ein Koordinationsgremium für die interdepartementale Zusammenarbeit gegründet. Lokale Unternehmen konnten für die Begrüssung der Neuzuziehenden gewonnen werden. Dazu wurde eigens ein Begrüssungs-Kit entwickelt.
Das hat das Projekt bewirkt
Die Stärkung der Integrationspolitik und die Förderung des sozialen Zusammenhalts sind auch fünf Jahre nach Projektabschluss im Alltag des Val-de-Travers immer noch wirksam. Ob Citoyenneté-Charta, Vernetzung von Migrantenvereinen und ihre Einbindung in die Organisation öffentlicher Veranstaltungen oder die «Willkommens-Kits» der Unternehmen - sie alle haben ihren festen Platz in den Aktivitäten der Gemeindeverwaltung. Über den Projektrahmen hinaus wurden die Willkommenskultur weiterentwickelt, die heimatsprachlichen Kurse auf die kosovarische Gemeinschaft ausgeweitet und zur Kontaktförderung neu auch auf digitale Kanäle gesetzt.
So geht es weiter
Das Projekt «IntégraVal» steht nun für weitere Massnahmen Modell und das Konzept soll auf andere Bereiche und Zielgruppen ausgedehnt werden. So soll ein «Seniorenrat» ins Leben gerufen werden und es bestehen Überlegung zur Einrichtung eines Jugendparlamentes. Ganz im Sinne eines Kernanliegens von IntégraVal: Die Beziehung zwischen den Generationen zu pflegen und alle Bevölkerungsgruppen zur Teilhabe am öffentlichen Leben einzuladen. Dem kann auch «periurban» nur beipflichten.