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Modellvorhaben
Periurban - Zusammenleben im ländlichen Raum
Neue Ausschreibung zur Phase II
Im Rahmen der Integrationsförderung des Bundes unterstützt die Eidgenössische Kommission für Migrationsfragen Modellvorhaben zur Verbesserung des Zusammenlebens im periurbanen ländlichen Raum. Sie geht davon aus, dass eine nachhaltige Entwicklung des Gemeinwesens ein Prozess ist, der ein kontinuierliches und grosses Engagement aller Akteure bedingt. Deshalb unterstützt und begleitet sie seit 2008 solche Integrationsprozesse in 5 Regionen.
Die EKM hat sich entschieden, in einer zweiten Phase das Programm Periurban auszuweiten. Gemeinden und Zusammenschlüsse von Gemeinden in weiteren 15 Regionen sind eingeladen worden, Projekte zu unterbreiten. Konkret sind dies: Altdorf-Erstfeld, der Berner Jura, Delémont, das Fricktal, das Greyerzerland, Herisau-Gossau, Flawil-Uzwil, das Laufental, das Mendrisiotto, Porrentruy, See-Gaster, Sierre-Sion, Sursee-Willisau, Wohlhusen-Entlebuch, das untere Toggenburg (Wattwil-Ebnat-Kappel), das Val-de-Travers sowie Weinfelden-Amriswil.
Über Voraussetzungen, Anforderungen, Funktionsweise des Programms und Termine orientiert die Ausschreibung "Periurban – Zusammenleben im ländlichen Raum. Ausschreibung Phase II, 2012-2015.
- Ausschreibung (PDF)
- Deckblatt für Gesuchseingaben (.doc)
Periurban Phase I
An der ersten Phase des Programms waren folgende Regionen beteiligt: das Rheintal, das Freiamt im Kanton Aargau, der Kanton Glarus, La Broye (Freiburg und Waadt) sowie Le Chablais (Waadt und Wallis)
Liste der bisherigen Projekte
- Agoris (Waadt und Wallis)
- Des ponts sur la Broye (Freiburg und Waadt)
- «zäme läbe freiamt» (Kanton Aargau)
- toolbox (Kanton Aargau)
- Glaris Sud sind wir (Kanton Glarus)
- Zusammenleben im St. Galler Rheintal (Rheintal)
Agoris: ein Projekt von Chablais Région
Agoris positioniert sich als regionale Plattform zur Unterstützung und Hervorhebung der Beispiele einer guten Praxis im Bereich Empfang, Integration und Zusammenleben in der Region des Walliser und Waadtländer Chablais, die insgesamt 29 Gemeinden umfasst.
Die Plattform wurde Ende 2008 vom interkantonalen Koordinationsgremium für die Entwicklung des Chablais (Organisme Intercantonal de Développement du Chablais, OIDC) und von den Gemeinden Monthey, Bex und Aigle lanciert.
Nach Abschluss der Startphase soll das Projekt in den Jahren 2010 und 2011 nun verwirklicht und auf weitere Gemeinden beidseits der Rhone ausgeweitet werden.
Das strategische Ziel
Das Projekt Agoris des OIDC steht im Dienst der Gemeinwesen und Privatpersonen und soll zu gemeinsamen Überlegungen anregen und konkrete Vorhaben für das Allgemeinwohl unterstützen, mit denen das harmonische und nachhaltige Zusammenleben auf regionaler Ebene gefördert wird. Dieses Ziel soll mit folgenden Hauptaktivitäten realisiert werden:
- Empfang und Integration der Neuzugezogenen
- Empfang und Integration der Migrantinnen und Migranten
- Empfang und Niederlassung neuer Unternehmen
- Sozialisierung und Integration der Jugendlichen, der Kinder und ihrer Eltern
- Einbezug der verschiedenen Bevölkerungsgruppen in das kulturelle und soziale Leben sowie das Sport- und Vereinswesen.
Die Instrumente
Die geplanten Massnahmen werden mit folgenden Instrumenten umgesetzt:
- Verzeichnis der Region Chablais mit Beispielen einer guten Praxis und Projekten im Bereich Empfang, Integration, Sozialisierung und Zusammenleben
- Medien zur Information, Dokumentation und Verbreitung der Leistungen und Aktivitäten für die Bevölkerung (z. B. Website agoris, regelmässig veröffentlichte Agenda in lokalen Zeitschriften, Gemeindezeitung usw.);
- Toolbox (z. B. mit Leitfaden zu einer guten Praxis) zuhanden der Gemeinden und Bevölkerungsämter;
- Projektfonds zur Unterstützung der lokalen, öffentlichen und privaten Akteure bei der Verwirklichung der entwickelten Massnahmen.
Des ponts sur la Broye
Das dreijährige, Brücken schlagende Beteiligungsprojekt «Des ponts sur la Broye» wird von der Fondation Cherpillod über deren Netzwerk Arcades getragen, das unter der Schirmherrschaft der Regionalen Gemeinschaft der Broye (Communauté régionale de la Broye, COREB) steht. Ziel des Projekts ist, die Jugendlichen sowie die schweizerischen und ausländischen Bevölkerungsgruppen in den Gemeinden der Broye zu Bürgerinitiativen anzuregen, mit denen das Verständnis und die Integration aller gefördert und die Lebensqualität verbessert wird.
In einer ersten Phase werden die Einwohnerinnen und Einwohner der Städte und Dörfer der Waadtländer und Freiburger Broye eingeladen, ihre Sorgen und Bedürfnisse bezüglich sozialer Integration und Lebensqualität zu äussern. In einem zweiten Schritt sollen sie sich auch an den Massnahmen beteiligen, die aufgrund der Ergebnisse der ersten Phase ergriffen werden.
Das Projekt «Des ponts sur la Broye» wurde entworfen, um die Vernetzung in den Bereichen Gesellschaft, Vereinswesen und Kultur auf lokaler und regionaler Ebene zu stärken. Den Autorinnen und Autoren des Projekts geht es also nicht darum, etwas «anstelle von» zu unternehmen, sondern «zusammen mit» – sie möchten die Einwohnerinnen und Einwohner dazu bewegen, sich selbst beteiligen zu wollen.
«Des ponts sur la Broye» ist aber nicht nur ein Beteiligungsprojekt. Das Innovative am Projekt besteht darin, dass keine neue Struktur geschaffen wird, sondern dass Partnerschaften mit sämtlichen örtlichen Akteuren erprobt und formell gegründet werden. Die Aktivitäten sollen einen nachhaltigen Beitrag zur lokalen und regionalen Ausschöpfung von Synergien und zu vernetztem Arbeiten leisten.
Das ambitionierte Projekt wurde am 16. Mai 2009 anlässlich eines grossen interkulturellen Festanlasses in Payerne offiziell lanciert. Mehr als 2000 Personen haben den Anlass besucht, dem unter anderem aufgrund der Beteiligung von rund einem Dutzend ausländischer Gemeinschaften der Region ein grosser Erfolg beschert war. Seither zieht ein Bus in den Farben des Projekts «Des ponts sur la Broye» durch die Strassen der verschiedenen Quartiere und Dörfer, um den Einwohnerinnen und Einwohnern zu begegnen und ihre Bedürfnisse aufzunehmen. Auf Grundlage der dabei gesammelten Erkenntnisse werden nach Abschluss dieser Projektphase Massnahmen ergriffen, die garantiert den Bedürfnissen der lokalen Bevölkerung und einer langfristigen Perspektive entsprechen werden.
Weitere Informationen: www.fondationcherpillod.ch
«zäme läbe freiamt»
Das Projekt «zäme läbe freiamt» soll MigrantInnen, der einheimischen Bevölkerung, Vereinen, Firmen und Behörden eine lebendige Plattform zum regelmässigen Austausch bieten. Es umfasst insgesamt fünf Teilprojekte, die den ländlichen Charakter des oberen Freiamts besonders berücksichtigen.
- Die Bildung von Sprachpatenschaften soll Migranten und Migrantinnen ermöglichen die deutsche Sprache zu verbessern und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.
- Bedürfnisorientierte Informationsbroschüren in verschiedenen Sprachen werden unter Beizug von KulturvermittlerInnen und MigrantInnen erstellt.
- Der jährlich stattfindende ‚runde Tisch’ soll den Dialog und das gegenseitige Verständnis zwischen Migrantinnen und Migranten, Behördemitglieder, Fachpersonen, Firmen und anderen Organisationen aufbauen und fördern.
- Eine Sammlung von Mythen und Sagen von Einheimischen und Zugewanderten soll Werte und Traditionen der jeweiligen Gesellschaften vermitteln. Die Erzählungen werden an verschiedenen Lesungen präsentiert, anschliessend gebunden illustriert und veröffentlicht.
- Der jährlich in Muri stattfindende Flüchtlingstag bietet ein vielfältiges Programm mit kulturellen Beiträgen, kulinarischen Genüssen und Informationen. Er soll eine Brücke zur einheimischen Bevölkerung aufbauen.
Zudem sollen die Behördemitglieder in den Gemeinden für das Thema Integration sensibilisiert werden. So soll die Integration der ausländischen Bevölkerung ab 2010/2011 ein fester Bestandteil der Gemeindebudgets werden.
Toolbox
Das Projekt Toolbox stellt den Gemeinden Wohlen, Villmergen, Dottikon und Dintikon fünf einfache Werkzeuge zur besseren Integrationsarbeit ihrer Einwohnerinnen und Einwohner zur Verfügung. Mit den Massnahmen wird die Integration der Neuzugezogenen und Migrantinnen und Migranten gefördert sowie das Zusammenleben der gesamten Bevölkerung besser organisiert.
Die Vernetzungsplattform (Webseite und Vernetzungsbus) vermittelt Informationen über die Gemeinde sowie Angebote von Institutionen und Vereinen und steht für Fragen zur Verfügung.
Die Patenschaften fördern den Kontakt zwischen der ansässigen Bevölkerung und den Neuzugezogenen.
Die Integrationsförderung beinhaltet Willkommensgespräche, an welchen der Bedarf an individuellen Integrationsmassnahmen gemeinsam ermittelt wird und die erwünschten Schritte begleitet werden. Zudem werden von Fachpersonen Informationsveranstaltungen durchgeführt zu Themen wie z.B. dem Bildungs-, Gesundheits- oder Sozialversicherungssystem.
Der regionale Integrationsrat dient der Mitsprache und Beteiligung der ausländischen Bevölkerung bei Themen des Zusammenlebens. Der Rat fungiert als beratendes Gremium für die Exekutive.
Die Projektbegleitung unterstützt Privatpersonen und Institutionen finanziell und konzeptionell bei der Umsetzung von Projekten, die das Zusammenleben in der Region fördern.
Weitere Infos unter www.toolbox-freiamt.ch.
Glarus Süd sind wir
Pilotprojekt zur Förderung des Zusammenlebens in Glarus Süd
In einzelnen Dörfern der Region Glarus Süd ist eine grosse Fragmentierung der Bevölkerung feststellbar: Nicht nur zwischen unterschiedlichen Nationalitäten (Ausländeranteil 25%), sondern auch zwischen den sozialen Schichten und Generationen. Per 1. Januar 2010 fusionieren die bisherigen 17 Gemeinden zur neuen Gemeinde Glarus Süd. Das Integrationsprojekt “Glarus Süd sind wir” will die Chance der Fusion nutzen, um das Zusammenleben und den Austausch unter allen Bevölkerungsgruppen zu fördern, aber auch die regionale Identität mit der neuen Gemeinde Glarus Süd zu stärken. Ein zentraler Ansatz ist die Zusammenarbeit mit der Schule, weil so Menschen unterschiedlichster Nationen und Schichten erreicht werden. So ist am 1. Juli 2010 ein grosses, gemeinsames Schulabschlussfest geplant. Das Schulabschlussfest dient zur Gemeinschaftspflege und soll zu einer Tradition in Glarus Süd werden, indem es in Zukunft jährlich in einem anderen Dorf stattfindet. Fast alle Schulen planen Aktivitäten zum Thema Zusammenleben in Glarus Süd. So gibt es zahlreiche kleinere, über das Jahr und die neue Gemeinde verteilte Projekte. Geplant sind u.a. Begegnungsmöglichkeiten mit Senior/innen, um den Austausch zwischen den Generationen zufördern, ein Theater zum Thema „Zusammenleben“, ein Konzert mit Liedern aus verschiedenen Ländern und Kulturen.
Um die Jugendlichen geht es im Projekt, welches in Zusammenarbeit mit dem Jugendarbeiter und einer lokalen Künstlerin realisiert wird. Interessierte Jugendlichen können sich in einem Filmporträt an ihren Lieblingsorten und mit ihrer -musik gegenseitig präsentieren und sich darin zu ihren Wünschen und Bedürfnissen zum Leben in Glarus Süd äussern. Ziel ist, Jugendlichen unterschiedlicher Nationalität und Hintergründe ein Sprachrohr zur Verfügung zu stellen und mit den Porträts eine Diskussion in der Bevölkerung über das (Zusammen)Leben in Glarus Süd zu initiieren. Alle Schritte werden mit einer lokal verankerten Projektsteuergruppe im Sinne einer lernenden Organisation erarbeitet.
Projektleitung: Hochschule Luzern – Soziale Arbeit, Institut für soziokulturelle Entwicklung.
Zusammenleben im St. Galler Rheintal
Mitenand statt nebetenand
Mit der Vereinigung der St. Galler Gemeindepräsidentinnen und Gemeindepräsidenten, Rheintal als regionale Trägerschaft weist das Modellvorhaben „Zusammenleben im St.Galler Rheintal – mitenand statt nebetenand“ eine solide Basis auf. Sämtliche Gemeindepräsidenten haben sich bereit erklärt, das Projekt aktiv zu unterstützen. Leadgemeinde ist St. Margrethen mit einem Migrantenanteil von rund 44 Prozent.
Das Modellvorhaben basiert auf sieben Hauptstossrichtungen:
- Förderung der regionalen Zusammenarbeit
- Förderung der Quartierarbeit
- Förderung der Vereinsarbeit
- Förderung von Sprache und Bildung
- Zusammenarbeit mit der Wirtschaft – Bekämpfung der Erwerbslosigkeit
- Kommunikation und Imageverbesserung
- Einhaltung von Recht und Ordnung
Die Migrantenvereinskonferenz und der mobile Treffpunkt sind das Kernstück der regionalen Zusammenarbeit. Im mobilen Treffpunkt finden diverse Aktivitäten statt, wobei der Standort alle vier Monate in eine andere Gemeinde wechselt. Eine wichtige Rolle übernehmen die bezahlten Schlüsselpersonen. Das sind Migrantinnen und Migranten, die als Vermittler zwischen Einheimischen und Zugezogenen agieren.
Die Quartierarbeit beschränkt sich in einem ersten Schritt auf einen Dorfteil in St.Margrethen. Die Gründung einer Interessensgemeinschaft soll dazu führen, dass die Anliegen der Bewohnerinnen und Bewohner ernst genommen und im Rahmen der Möglichkeiten umgesetzt werden. Die Vereine spielen in der Integrationsarbeit eine wichtige Rolle. Sie bilden ein erstes und wichtiges Kontaktnetz, um in der Gemeinde Fuss zu fassen. Die Vereine werden deshalb aktiv unterstützt; insbesondere in der Mitgliederwerbung.
Die Förderung von Sprache- und Bildungsangeboten bilden ein weiteres Standbein des Modellvorhabens. Zu nennen sind eine Steigerung der Deutschkursabsolventen, ein breites Frühförderangebot sowie Weiterbildungsangebote für Eltern. Zusätzlich sollen der heimatliche Sprach- und Kulturunterricht (HSK) gefördert und besser koordiniert werden.
Von der momentanen Wirtschaftskrise sind Migrantinnen und Migranten besonders betroffen. Speziell Jugendliche im Alter zwischen 18 – 24 Jahren erhalten kaum Hilfe. Mit einem gezielten Programm soll in Zusammenarbeit mit bereits bestehenden Organisationen diese Zielgruppe vermehrt unterstützt werden. Im Weiteren ist ein runder Tisch mit Vertretern aus Gewerbe und Industrie geplant, um die Chancengleichheit voran zu bringen.
Das zentrale Fundament des Modellvorhabens ist die Kommunikation. Dies betrifft einerseits eine regelmässige Information der Bevölkerung via Medien, Gemeindemitteilungsblatt und Internet. Anderseits wird für Migrantinnen und Migranten eine Informationsstelle aufgebaut, wo sie in ihrer Landessprache bei alltäglichen Problemen unterstützt werden. St. Margrethen setzt bis Mitte 2010 zusätzlich das conTAKT-net um – eine Internetplattform, welche Neuzuzügern wichtige Informationen liefert, um sich in der Gemeinde besser zu Recht zu finden.
Um auch auf der fordernden Seite eine Marke zu setzen, werden in St.Margrethen Integrationsvereinbarungen zur freiwilligen Unterzeichnung abgegeben. Sie sollen Neuzuzüger daran erinnern, dass die in der Schweiz geltenden Regeln und Sitten einzuhalten sind.